Etwas von Bedeutung

 

 

Facebook ist Gift für mich, es ist Konfrontation par Excellence. Ich sehe, all dass, was meine Freunde und die Freunde meiner Freunde, die ich nicht mal richtig, oder überhaupt nicht kenne, tun.

 

Ja, sie tun so viel, sie bilden sich weiter, sie gehe in den Urlaub, sie machen Reisen oder Ausflüge, backen Kuchen, basteln mit ihren Kindern Osternester, gestalten Vogelhäuschen … sie tun und tun und tun, immer irgendetwas.

 

Was tue ich? Nichts. Ich sitze nur da, hier mit mir. Bisher irgendwie im Einklang. Bis mich dieses Facebook so ganz hinterrücks ansprang. Und jetzt? Jetzt rege ich mich auf, über Facebook und noch mehr über mich selbst. Weil ich wieder mal reingefallen bin, reingefallen in diese Ich-muss-etwas-tun-Falle und in die Es-ist-einfach-nie-genug-Opferhaltung. Wie ich diese Falle hasse. Eigentlich wollte ich nichts mehr hassen, denn hassen heisst ablehnen, vorallem mich selber. Und schon hat sie mich wieder, die Kleinheit, die Bedeutungslosigkeit.

 

Genau, denn ich sollte was tun, etwas von Bedeutung.

 

Aber was? Was ist denn genau von Bedeutung? Ferien-Fotos posten? Oder Fotos von selbstgebackenen Kuchen? Oder von Waldspaziergängen und handangelegten Kräutergärten? Also echt! Ich schreibe mich um Kopf und Kragen, ich weiss das, ich bin es mir bewusst. Aber bringt es etwas? Mir? Euch da draussen? Naja, mir bringt es wenigstens ein bisschen was, ich setze mich mit mir auseinander, beobachte meine Gedanken. Das ist doch schon mal was, jedenfalls für mich. Aha, doch noch was von Bedeutung. Also eigentlich mache ich ja nicht nichts, eigentlich mache ich viel. Aber es ist gerade nicht äusserlich sichtbar und nicht geplant und nicht terminiert. Aber auch nicht begrenzt. Nicht besser, nicht schlechter als irgendwas anderes. Aber es befriedigt mich und das ist…. bedeutungsvoll.

 

Das Gefühl der Bedeutungslosigkeit löst sich wieder. Langsam, schleichend, kriechend. Und ich merke wieder einmal, dass es meine eigenen Gedanken sind, die die schlechten Gefühle kreieren. Nein, schlecht sind sie nicht, nicht in dem Sinne von Gut und Böse. Sie helfen mir, mich ihrer bewusst zu werden. Und trotzdem warte ich gerade und zwar nicht wirklich geduldig, bis sie weggehen. Ja genau, weghaben will ich sie. Oha, nächste Falle.

 

Was ist heute mit mir los? Ich sollte es doch so viel besser wissen. Und ich weiss es auch, ich weiss, dass alles was man ablehnt um so heftiger zurückkommt. Spiritualität hin oder her, man kann noch so viel Wissen, noch so viel Erfahrung haben in den ganzen Bewusstseins-Dingen… irgendwie sind wir doch alle Menschen und werden hin und wieder von uns selber und unseren Schatten eingeholt.

 

Ist das nicht höchst beruhigend? Ja, liebevoll gesprochen sogar das was uns menschlich macht… und authentisch. Ich weiss ja nicht wie es euch geht, und ich will auch gar nicht über euch schreiben. Darum: Jedenfalls geht es mir so, wenn ich sehe, dass andere Menschen, gerade spirituell, therapeutisch oder heilerisch Tätige, auch nicht frei sind von Verfehlungen, von Schatten, von Ego-Konstukten, von Selbstzweifeln und vielem mehr. Das sind für mich die echten Heiler, denn sie zeigen sich wie sie sind. Sie sind echt, weil sie um die Kraft und Heilung wissen, die in den menschlichen Schwächen steckt. Und weil sie nicht müde werden, an sich zu arbeiten, um anderen helfen zu können.

 

Und so komme ich vom Tun ins Sein, denn Sein bedingt, sich selber bewusst werden. Und das ist Arbeit. Also genauso von Bedeutung wie das Tun selber. Für mich zumindest.

 

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Ah ja, wie man sieht, habe ich mich heute entschieden, meinen eigenen Blog zu starten. Ob ihn jemand lesen mag, ist gar nicht so sehr von Bedeutung (wieder dieses Wort), sondern dass ich endlich wieder mal zum Schreiben komme und somit meine verstaubte Leidenschaft und mein Talent wiederbelebe.

 

 

Trotzdem freue ich mich über jeden einzelnen, der meinen Gedanken und meinen Geschichten folgen mag.

 

Hugs, Nicole

 

Tief im Menschen schlummern jene Kräfte,
Kräfte, die ihn in Erstaunen versetzen würden,
die zu besitzen er sich nie erträumt hätte,
Kräfte, die sein Leben völlig verändern könnten,
wenn sie geweckt und genutzt würden.
 

Orison Swett Marden

 

 

Das ICH war es, dessen Sinn und Wesen ich lernen wollte. Das ICH war es, von dem ich loskommen, das ich überwinden wollte. Ich konnte es aber nicht überwinden, konnte es nur täuschen, konnte nur von ihm fliehen, mich nur vor ihm verstecken. Wahrlich, kein Ding der Welt hat so viel meine Gedanken beschäftigt, wie dieses ICH (...) Und über kein Ding in der Welt weiss ich weniger, als über mich.

 

Hermann Hesse aus "Siddhartha"